"Musik im Dorp"

In den Nachkriegsjahren war in den Eifeldörfern ein sehr großes Interesse an Unterhaltung und Freizeitveranstaltungen, um den Krieg und die NS-Zeit zu vergessen und hinter sich zu lassen. Eben dieses konnte man auch in Wolfert festellen. So wurden beispielsweise von der Feuerwehr Tanzveranstaltungen oder Theateraufführungen organisiert. Aber was noch fehlte war eine Musikkapelle im Dorf. So wurde im Sommer 1955 von neun jungen Männern der Musikverein Harmonie Wolfert gegründet.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Karl Münstermann, Alfred Niebes, Willi Lenzen, Konrad Lenzen, Karl Jenniches, Heinrich Merten, Alfred Klinkhammer, Willi Mertens und Manfred Niebes. Die Mehrheit konnte jedoch zum Zeitpunkt der Gründung weder Noten lesen noch ein Instrument spielen. Sie besaßen noch nicht mal eins. Die Instrumente wurden kurzerhand bei einer Ausstellung der Musikschule Daun in Reifferscheid gekauft. Die musikalischen Fähigkeiten spielten bei der Auswahl der Instrumente vorerst keine Rolle. So kaufte Heinrich Merten beispielsweise ein Saxophon, ein Instrument, das er bis heute nicht beherrscht. Erst Josef Jansen aus Hescheld, ein ehemaliger Militärmusiker, teilte die Instrumente den Musikern nach einigem Ausprobieren zu. Er war es auch, der ihnen nach und nach das Notenlesen beibrachte.

Josef Jansen

Die Instrumente mussten selbst gekauft werden, eine Trompete kostete damals 160,00 DM. Gebrauchte Schlaginstrumente, Notenständer und Noten wurden aus Vereinsmitteln beschafft. Reichte jedoch eine Notensatz nicht aus, musste man die Noten für die zusätzlichen Stimmen mit der Hand abschreiben.

Geprobt wurde anfangs in Oberwolfert bei Dümmers im Saal. "Wer zur Probe kam musste Holz zum Heizen mitbringen", erinnert sich Heinrich Merten.

Bei den Proben herrschte Disziplin und wer es wagte, die Instrumente als "Tröte" zu bezeichnen, musste 1 Liter "Branntwein" (Schnaps) mitbringen. Es konnte aber auch mal vorkommen, dass die Musikschüler ihrem Lehrmeister und Dirigenten nach der Probe bei der Heuernte helfen mussten.

Debüt an Heiligabend 

Den ersten Auftritt hatte der frisch gegründete Musikverein vor der Christmette. Sie spielten aus dem Fenster der alten Dorfschule.

Die Freude beim Musizieren war ihnen wohl nicht nur anzusehen sondern auch hörbar. So dauerte es nicht lange, bis die 9 Musiker Zuwachs bekamen, was zum Glück bis heute anhält. Schon nach einem Jahr hatte sich die Anzahl der aktiven Mitglieder verdoppelt.

Das erste offizielle Gruppenfoto
Das erste offizielle Gruppenfoto

Im Jahr 1965 zog der Musikverein ins Kellergeschoss der damaligen Schule, heute das Bürger- und Vereinshaus.

Ob Kirmes, Karneval, bunter Dorfabend, Kirchenfest, Geburstagsständchen oder Dorffest, der Musikverein ist immer dabei. Blasmusik gehört einfach dazu, damals schon genauso wie heute.

Und dann das 1. Kreismusikfest:

1969 war der Musikverein Wolfert Ausrichter des ersten Musikfestes des "Kreisverbandes der Musikkapellen", wie der Kreisverband Euskirchen des Volksmusikerbundes damals hieß. Die Schirmherrschaft des Kreismusikfestes übernahm der damalige Landrat Georg Linden. Mit insgesamt 32 Gastvereinen und über 3000 Besuchern war dieses Musikfest die bisher größte Veranstaltung in Wolfert. Eigens für den Festzug hatte die Gemeinde den Verbindungsweg zwischen Unter- und Oberwolfert - den heutigen Ägidiusweg - geteert. Im Vordergrund des Musikfestes standen die guten Freundschaften der Musiker über die Grenze hinweg. Sicher war auch dieses Kreismusikfest mit einer der Auslöser, dass das Interesse an der Blasmusik zunahm. So hatte der Musikverein durch intensive Nachwuchsförderung Anfang der 70er Jahre seine bislang höchste Mitgliederzahl mit über 40 aktiven Musiker*innen.

Selbst 2005 spielten noch drei der Gründungsmitglieder im Verein mit.

Von links: Konrad Lenzen, Heinrich Merten und der frühere Dirigent Alfred Niebes.

 

So bildete Alfred Niebes, der in seiner aktiven Zeit für die Nachwuchsförderung zuständig war, 140 Kinder aus. Er war es auch, der nach 13 Jahren das Dirigat von Josef Jansen übernahm und nach stolzen 40 Jahren seinem Sohn Armin übergab.

Armin Niebes leitete den Verein sehr erfolgreich von 2003 bis 2022 und brachte uns sogar Piano spielen bei. Seine Dirigententätigkeit führte uns 2018 in den Konzertsaal der Robert Schumann Musikhochschule Düsseldorf, wo wir vom Sparda-Musiknetzwerk für das Projekt. "Langfristige Zukunftssicherung eines Traditionsvereins durch aktiven Einbezug von Kindern und Jugendlichen" ausgezeichnet wurden. Wir durften uns dort mit einem Musikbeitrag, für den uns Armin ausführlich und gewissenhaft vorbereitet hatte, präsentieren.

 

Der Musikverein heute:

Es ist vor allem ein Miteinander von Jung und Alt, das unserem Musikverein nicht nur bald 70 Jahre alt werden lässt, sondern ihm auch eine Zukunft ermöglicht. Dies gilt für den musikalischen Bereich ebenso wie für das Miteinander im Verein. Erfolgreich ist ein Musikverein nicht nur dann, wenn die Dargebotenen Töne stimmen. Ohne das richtige Maß an Geselligkeit, Freude am Musizieren und Engagement für den Verein und Allgemeinheit wäre eine ehrenamtliche Musikkapelle wohl kaum denkbar.

Heute besteht der Verein aus 27 aktiven und 98 inaktiven MusikerInnen und wird von Nico Haag musikalisch geleitet (Stand 2022). Die Freude am Musizieren ist geblieben, doch die Disziplin hat ein wenig nachgelassen, denn sonst müsste unser Dirigent pro Probe mehrere Liter "Branntwein" mitbringen, da er selbst Trompeten gerne als Tröten bezeichnet.

Ein Fußballverein hat seine dritte Halbzeit, eine Feuerwehr löscht nach dem Üben ihren Brand. Auch MusikerInnen freuen sich nach dem Auftritt auf ein wohlverdientes kühles Getränk und pflegen die Geselligkeit. Damals wie heute.

Kontakt

So erreicht man uns

1. Vorsitzende: Maren Klein

Tel.: 0179 - 8292204

E-Mail: info@mv-wolfert.de

 

2. Vorsitzende: Maike Merten

Tel.: 01573 - 9252035